SHIFT Podcast Folge 30: Warum ist IMPACT die neue Gewinnmaxime, Guya Merkle?

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Guya Merkle ist ein tolles Beispiel dafür, wie sehr es sich lohnt, für die eigene Sache und die eigene Vision zu kämpfen. Guya ist Gründerin von VIERI Fine Jewellery, einem Schmucklabel welches Gold ausschließlich aus recycelten und verantwortungsvollen Quellen bezieht.

Ihre Vision ist es, ein Unternehmen aufzubauen, das nicht nur verantwortungsbewusst handelt und produziert, sondern durch seine Produkte einen direkten und lebensverbessernden Impact für die Menschen vor Ort schafft. Im Podcast erzählt sie, wie diese Vision entstanden ist.

Guya Merkle kommt ursprünglich aus der Pforzheim – der Goldstadt Deutschlands – und übernahm mit 21 Jahren die Schmuckfirma ihres Vaters, die bis zu seinem Tod bereits in dritter Generation geführt wurde. Guya, die keine Verbindung zu Schmuck hatte und erst lernen musste, Schmuck zu lieben, tat alles dafür, das Unternehmen 1:1 wie ihr Vater zu führen, konnte damals jedoch mit der jahrelangen Erfahrung und dem Selbstbewusstsein ihres Vaters, den sie als den “Besten Salesmen on Earth” bezeichnet, nicht mithalten. Zudem verstand sie damals die Bedürfnisse der Zielgruppe noch nicht. Nach 3 Jahren war das Unternehmen pleite und sie erfuhr mit 24 Jahren, was es bedeutet, zu scheitern. Sie beschreibt diese Phase in ihrem Leben als die unglücklichste in ihrem ganzen Leben.

“Nach 3 Jahren war das Unternehmen pleite. Ich hatte wahnsinnig damit zu kämpfen und ein schlechtes Gewissen, dass ich das Business meines verstorbenen Vaters kaputt gemacht hatte.”

Guya Merkle, VIERI Fine Jewellery

Sie verspricht ihrer Familie, dem Gefühl auf den Grund zu gehen und sich mit der “Schmuckmaterie” noch einmal gründlich auseinanderzusetzen. Sie geht an das GIA in London und studiert die Geschichte und die Bedeutung von Schmuck. Während dieses Studiums sieht sie zum ersten Mal ein Bild von einer Goldmiene – ein enormer Kontrast zu der sonst so blinkenden und glitzernden Schmuckwelt. Dieses Bild lässt sie nicht mehr los. Zum ersten Mal fängt sie an, darüber nachzudenken, dass Gold eine Ressource ist, macht sich schlau, wo Gold vorkommt und sucht nach fairen Alternativen. Sie ruft bei “Fairtrade” an, wo man ihr Broschüren anbietet, doch sie entscheidet sich für die Erfahrung.

Ihre Lebensverändernde Reise nach Peru

Mit kleinem Gepäck tritt sie ihre große lebensverändernde Reise in die Goldmienen nach Peru an. Schnell wird ihr klar, dass sie die Umstände unter denen Gold geschürft wird, so nicht hinnehmen kann. Sie sieht Frauen Kanister mit Wasser hochschleppen und erfährt wie hoch toxisch dieses Wasser ist. Sie hört von den hohen Fehlgeburten und der Kindersterblichkeit in den Regionen. Sie riecht zum ersten Mal den beißenden Geruch von verbranntem Quecksilber, den sie in ihrem Leben nicht vergessen wird.

“Die Goldmienen waren ein unfassbarer Realitätscheck für mich – vor allem wenn man es mit dem eigentlichen Luxusprodukt vergleicht.”

Guya Merkle, VIERI Fine Jewellery

Sie ist erschüttert, dass die wichtigsten Personen der Wertschöpfungskette am allerwenigsten daran verdienen und noch dazu überhaupt keine Sichtbarkeit haben, keine Rechte und ihren Körper für die Goldschmuckindustrie vergiften. Auf 3.000 Metern Höhe ist ihr erster Gedanke: “Zum Glück ist die Firma pleite gegangen”.

Sie forscht weiter und schaut sich im Detail das nachhaltigere Small Scale Mining an. Dort werden die Arbeiterinnen und Arbeiter geschult, für ausreichenden Arbeitssschutz in den Mienen gesorgt und darauf geachtet, dass der giftige Dampf, der beim Verbrennen des Quecksilbers entsteht, nicht eingatmet wird. Fair Trade Miner erhalten zusätzlich 15 % mehr Gehalt, weshalb fair geschürftes Gold selbstverständlich teurer sein muss. Um 1 Gramm Gold zu erhalten, muss eine ganze Tonne Erde schürft und mit Quecksilber verbrannt werden. Wird das Abwasser in die Natur zurückgeführt, waschen sie Menschen darin ihre Kinder, ihr Essen und ihre Wäsche. Guya darf auf ihrer kurzen Reise dieses Wasser nicht anrühren, nichts in den Bergen essen, tut es aus der Not heraus trotzdem und vergiftet sich.

Aus der Erfahrung wird eine Vision

Schnell wird aus diesen Erfahrungen eine Vision. Die Vision, den Menschen ein Sprachrohr zu geben und sie gründet die Earthbeat Foundation. Doch sie will nicht nur Sichtbarkeit für die Minenarbeiter:innen und einen legalen, sicheren, nachhaltigen und umweltschonenden Umgang des Rohstoffes Gold schaffen. Guya ist mit dem Willen zur Veränderung auf die Welt gekommen. Sie will vom Reden ins Tun kommen und zeigen wie es geht. 2015 gründet sie das erste nachhaltige Schmucklabel. VIERI Fine Jewellery steht für die Versöhnung mit ihrer Familie und dem gescheiterten Unternehmen, welches über 3 Generationen mitverantwortlich für die Entwicklungen in der Goldindustrie war.

Der Zuspruch aus der Presse ist riesig, doch in den ersten zwei Jahren verkauft Guya kein einziges Schmuckstück. Es ist schlichtweg zu teuer für eine potenzielle Zielgruppe, die sich für nachhaltigen Schmuck interessiert. Guya nimmt all ihr Erspartes zusammen, verkauft ihren eigenen Schmuck und investiert ALLES in ein Rebranding. Ab nun gibt es nachhaltigen Schmuck aus ethisch korrektem Gold ab 300 € und die Kunden kommen.

Ethisch korrekter Goldschmuck hat das Potenzial in der Nachhaltigkeit ein Vorreiter zu sein, weil er für immer bleibt.

Guya Merkle, VIERI Fine Jewellery

Wie gründet man ein nachhaltiges ethnisch korrektes Label?

“Wie hält man es durch, wenn man eine Niederlage nach der anderen kassiert?” – wird Guya oft gefragt. Sie empfiehlt Gründerinnen und Unternehmer:innen, ihre Vision zu definieren und Impact von Anfang an in ihren Unternehmenskern zu integrieren. Nur ihre starke Vision hat ihr geholfen, durchzuhalten und ist noch heute ihr stärkster Motor. Nichts konnte sie davon abhalten, die Schmuckindustrie zu verändern und ihre Vision von einem nachhaltigen ethisch korrekten Goldlabel in die Tat umzusetzen. Unternehmer:innen muss jedoch auch klar sein, dass alles ein Prozess ist und es Durchhaltevermögen braucht.

Wer ein neues Produkt auf den Markt bringen möchte, muss aus Guyas Sicht zwei Dinge tun. Erstens sicherstellen, dass die Produktion so nachhaltig wie nur möglich ist und zweitens ein Produkt kreieren, das IMPACT erzeugt. Im Falle von VIERI erzeugen die Produkte Impact, weil sie zu 100 % aus recyceltem Gold hergestellt werden, weil durch jedes verkaufte Schmuckstück Projekte in Uganda finanziert werden, weil es alternative Einkommensquellen für die Goldschürfer:innen schafft, weil es Permakulturprojekte vor Ort kreiert.

“Mein Traum ist, dass Gewinnmaximierung (um jeden Preis) abgelöst wird von Impact um jeden Preis.”

Guya Merkle

Ich wünsche dir von Herzen alles Glück, Energie und Durchhaltevermögen der Welt liebe Guya und bin mir sicher, dass du irgendwann einmal als Role Model in den Schulbüchern für Gründerinnen und Gründer stehen wirst.

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