Influencer Marketing 2020 Trends

Folgendes beobachte ich beim Influencer Marketing seit Jahren: Alles wird gegenseitig kopiert, bis alle alles gegenseitig kopiert haben. Mit dem Ergebnis, dass sich die Nutzer an Botox-Selfies, an Superfood-Bowls auf Bali, an Yogaposen am Strand, an Kalendersprüche und an nackte Haut sowieso gewöhnt haben. Und umso länger wir uns an etwas gewöhnen, umso gewöhnlicher wird es. Das ist einer der Gründe, warum die Influencer Fassade anfängt, zu bröckeln. Hier sind 5 weitere Trends, die sich abzeichnen.

1. Influencer Marketing – ist da der Lack ab?

Laut der “Spotlight Influencer 4.0” Marketing-Studie von Wavemaker, durchgeführt von der GroupM-Forschungsunit MScience hat Influencer Marketing deutliche Abnutzungserscheinungen. Nur noch 54 % stuften Influencer als glaubwürdig ein. Im Vorjahr waren es noch 67 %. Gleichzeitig sieht gut die Hälfte in Influencer eine Möglichkeit, neue Produkte kennenzulernen.

Die Studie hat gezeigt, dass 55 % der Deutschen Influencer vor allem in ihrer Rolle als bezahlte Werbefiguren wahrnehmen. Man kennt sie mittlerweise, die Lena Meyer-Landruts, die Lena Gerckes und Dagi Bees des Social Web und man erkennt mittlerweile auch, wie beliebig Kooperationen eingegangen werden, nur um sich diesen “Beruf” zu finanzieren.

Tara Wittwer, die selbst einmal Fashion Influencerin war, ist überzeugt: “Ich denke in 3 Jahren ist erst mal Feierabend [mit Influencer Marketing]”.

2. Fehlende Lobby für Influencer

Das alles soll nicht despektierlich klingen. Ich habe großen Respekt vor dem, was Influencer leisten, wie viel Energie sie in ihren Content stecken, wie sehr sie sich Gedanken um ihre Community machen. Aber es ist eben auch einfach ein Beruf ohne jegliche Interessenvertretung. Natürlich gibt es hier und da Influencer Agenturen, die versuchen, diese Lücke zu schließen, aber deren Hauptmotivation ist es am Ende dennoch, Geld zu verdienen. Kommt es zu einem Rechtsstreit, dann stehen Influencer alleine da oder im besten Fall vertreten durch einen Anwalt/Anwältin. Es ist ein einsamer Job und viele Influencer haben genau aus diesem Grund diesen Job schon an den Nagel gehängt.

3. Es geht nicht um Likes

Spätestens seitdem Influencerin Arii, der auf Instagram 2,6 Mio. NutzerInnen folgen, im Mai 2019 bekannt gab, dass sie nur 36 T-Shirts ihrer neues T-Shirt Brand verkauft hatte, ist deutlich geworden, dass Follower- und Like-Zahlen nicht die richtigen Parameter zur Bewertung von Influencer Marketing sind. Auch Björn Wenzel von der Agentur Lucky Shareman ist überzeugt, dass der Engagement-Faktor (vor allem Likes) in Zukunft keine Rolle mehr spielen wird, sondern andere Parameter wie Glaubwürdigkeit, Coolness-Faktor und Aktivierungsrate neben den Standards wie Reichweite und Conversion zur Bewertung eines Influencers herangezogen werden müssen.

4. Soziales Kapital is King

Es gibt eine spannende Studie von Altimeter, die wir auch in der 5. Auflage von Follow Me! anführen. Laut Altimeter Report »The Rise of Digital Influence« ist das soziale Kapital der Influencers ein ganz entscheidender Faktor für wirkliche Beeinflussung (nicht zu verwechseln mit Manipulation).

Das soziale Kapital kann man anhand von drei Säulen festmachen: Reichweite, Relevanz und Resonanz. Die Reichweite speist sich aus der Popularität, Nähe, Wohlwollen des Influencers und die Relevanz formt sich durch die Autorität, das Vertrauen und die Affinität zum Influencer. Das beides zusammen ist der Boden für Resonanz. Wir alle können diesen Effekt beobachten, wenn wir einmal schauen, welchen Influencern in unserer eigenen Branche wir vertrauen und welche wir ablehnen. Influence hängt ganz stark von der Person ab und wie wir persönlich mit dieser Person resonieren.

Soziales Kapital ist die Beziehung zwischen Influencer und den NutzerInnen im Social Web. Es bildet die Grundlage, um dann in zwei Richtungen beeinflussen zu können. Entweder in einer Nische, indem sie eine Community of Focus (siehe Bild) aufbauen oder eine Community at Large.

5. Werde Sinnfluencer

Wenn es einen Megatrend für Social Media Marketing 2019 gibt, dann lautete dieser Purpose. Wer seinen Purpose, den Sinn und Zweck seines Businesses definiert hat, sein Warum herausgearbeitet hat, besitzt eine echte Chance, Marketing mit Sinn und bedeutsame Gesprächen zu kreieren.

Ich bin ein großer Fan von Sinnfluence, nicht nur weil ich Influencer Content nicht mehr sehen kann, sondern weil ich den Studien glaube. Laut der Edelman Earned Brand Studie aus dem Jahr 2018 stimmen 46 %, dass Marken bessere Ideen entwickeln, um aktuelle Probleme zu lösen als die Regierung und laut dem Edelman Trust Barometer 2019 verlangen 67 % von den CEOS ganz klar die Führung bei der Veränderung zu übernehmen und nicht darauf zu warten, dass die Regierung sie durchsetzt.

Diese Studien zeigen, dass sich die Menschen den Wandel von den Unternehmen selbst wünschen, weil diese eher als Vorbilder dienen als die Politik. Frage Dich also, bevor Du Deine Kanäle aufsetzt, ob Du mit Deinen Inhalten, Deiner Sichtweise, Deiner Geschichte bei anderen Sinn stiften kannst. Es muss nicht immer gleich darum gehen, die Welt zu retten, aber Du kannst sie durch Deine Persönlichkeit ein wenig besser machen. Was hast Du vor zu verändern? Welche Transformation bietest Du Deinen Kundinnen und Kunden, wenn sie in Zukunft mit Dir zusammmenarbeiten? Jeder hat etwas, was ihn einzigartig macht und womit er andere inspirieren kann. Mit Deiner Persönlichkeit schaffst Du den Nährboden für Resonanz und mit Deinen Inhalten die Basis für den Wandel in der Welt.

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